„Als sehr gewagt aber auch unausweichlich, muß wohl mein letztes Schuhkaufmanöver (in Izmir) bezeichnet werden. Schwarze, gutverarbeitete Ganzlederslipper, zu einem durchaus volksnah kalkulierten Preis erwerben ist die eine positive Seite. Zwangsläufig hinnehmen oder doch wenigstens billigen, daß man beim Tragen besagter Fußbekleidung heimlich und unsichtbar acht bis fünfzehn Zentimeter größer wird, ist die etwas undankbarere Kehrseite. Daß der Einfluß der Torrero‑Absätze‑ produzierenden‑Schuhindustrie nicht gerade als gering zu bezeichnen ist, wird eindrucksvoll untermauert bei In‑Augenschein‑Nahme der durchschnittlichen Größe hiesiger männlicher/schuhtragender Bevölkerung. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach ‘normalem’ Schuhwerk; wobei eine weitere, etwas merkwürdige Unsitte nicht unerwähnt bleiben soll: gerne gesehen und praktiziert wird beispielsweise, das ‑ eher heimwerkerimmanente ‑ Motto: ‘Jetzt helf ich mir selbst’. In Bezug auf türkische Schuhpolitik sieht das dann meistens wie folgt aus: wer sich sicher sein will, keine unnötige Zeit mit Schuh‑An+Aus‑Ziehen zu vergeuden, macht sich nämlich einen Schlitz in den selben (und findet es ganz wunderbar) und zwar in den schwer zugänglichen Fersenbereich ‑ schon kongenial ‑ nie mehr Schnürschuhe bändeln zu müssen ‑ völlig davon abgesehen, daß lässiges Schlürfen die Form eines Imperativs gewinnt, der wiederum seine Großmeister in denjenigen findet, die Mann’s genug sind, alles über dem Absatz befestigte und befindliche ein für alle Mal wegzuhauen. Hier muß die Freiheit wohl grenzenlos sein. Soviel einstweilen zur natürlich unvollständigen Kleiderordnung, von der zu berichten, ich sicher oft noch das Vergnügen haben werde, umso mehr als ich Jeans‑ und Cowboy‑Stiefel‑Kult hier leider nicht miteinbeziehen konnte.“ (Brief von Ende Februar 1988)