Fremd bleibt fremd

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„Wir gehen zur Post, um auf unsere Briefe zu warten. Zum ersten Mal kommt Ulrich um diese Zeit mit. Wir haben uns eigentlich vorgenommen, dort einen Tee zu trinken. Es kommt gar nicht dazu, denn man läßt uns (mich) gar nicht dorthin. Entweder sollen wir den Tee in der Post trinken (neutraler Ort) oder, da auch dort ein paar Männer sitzen, sollen wir uns vor die Post oder an die Wand der Moschee setzen (heiliger Raum ‑ Schutzraum ‑ hier dürfen die Frauen auch durch den Moscheehof gehen, um notfalls in die Post zu schlüpfen). Also: zwischen Post und Moschee sitzt man noch im Schutzraum. – Es macht wohl vielen Männern Schwierigkeiten, mich dort zu akzeptieren. Selbst Männer wie Ali Bey, der mir doch erst gestern zwei Liter Milch schenkte, verhält sich in der Öffentlichkeit anders. Er grüßt, aber auch das sehr distanziert und nur, weil ich hinschaue. Auch der Briefträger, der sonst kumpelhaft freundlich ist, hält Abstand. ‑ Als ich am nächsten Tag den hoca auf diesem Männerterrain treffe, hält er schnell Distanz ‑ schließlich können alle Männer uns beobachten. Fremder bleibt Fremder.“ (Tagebuch 05. 04. 1988)