„Ein übler Kult, der heute (17. 05. 1988) endlich sein wohlverdientes Ende findet, sei hier noch erwähnt: Ramazan ‑ der islamische Fastenmonat nämlich. Allein der Begriff Fasten ist so fehl am Platz, daß mir gleich wieder speiübel werden könnte ‑ legitimierter und von allen, scheinbar relevanten Stellen unterstützter Massenselbstbetrug, hält hier üppigst Hof. Auch hier zu nur das Nötigste: also, 30 Tage darf der gläubige Muslim zwischen Sonnenauf‑ und untergang absolut nichts zu sich nehmen ‑ will sagen: zwischen circa 5.30 Uhr morgens bis circa 20.00 Uhr abends weder Trinken, Essen, Rauchen ‑ ergibt also ungefähr 14 Stunden Darben.
Hört sich gefährlich an, bei etwas genauerer Betrachtung ist es jedoch nichts anderes als das Umstellen eines Tagesablaufs auf einen mehr oder weniger nächtlichen. Wenn also gegen 20.00 Uhr der Hoca zum Gebet ruft (via Lautsprecher) stürzt sich das gesamte gläubige Pack an die schon längst vorbereiteten Tafeln, stopft Eßbares in sich hinein ‑ man schluckt, ißt, qualmt und läßt es sich gut gehen ‑ wie gesagt bis circa 5.30 Uhr. Der mitdenkende männliche Türke ist Punkt 5.30 Uhr in einem durch Raki hervorgerufenen Zustand, der ihn zu nichts anderem befähigt, als umgehend die heimische Lotterstatt aufzusuchen und in derselben mindestens zehn bis zwölf Stunden zu verbringen. Bleibt also eine relative Darbzeit von bestenfalls zwei bis drei Stunden. Daß der Islam seinen Gläubigen striktes Alkoholverbot nahelegt, nimmt hier den Kämpfer Gottes nicht weiter in Beschlag ‑ anders hingegen die Frauen, die sich gegenseitig beobachtend ein Fest daraus machen, irgendeine aus ihren Reihen bei einer vermeintlichen Übertretung zu ertappen. Also die Frage des Warums dieser vermeintlichen Selbstkasteiung? Anwort: Es gilt Punkte zu sammeln (und genau im Ramazan werden, von wem auch immer, die meisten vergeben) um die erforderliche Anzahl beim Anklopfen an der Himmelspforte, vorweisen zu können. Wer das nicht kann, dem geht es wahrscheinlich wie sattsam bekanntem Cockerspaniel Prudence beim Versuch, Einlaß in eine gutbestückte Metzgerei zu finden (Wir müssen leider…). Tja, und das schmerzt natürlich.“ (Brief vom 17. 05. 1988)