Staatliche Präsenz

·

zurück

„Ich hatte eine einjährige Forschungserlaubnis für mich beantragt und nach langer, langer Wartezeit vom Kultusministerium endlich eine achtmonatige Erlaubnis genehmigt bekommen. Aus dieser Erlaubnis geht explizit hervor, daß ich keinen Zugang zu Schulen habe, da diese dem Ministerium für Erziehung unterstellt sind.

Eine Auflage ist, daß ich mich bei der Polizei anmelden muß. Auch muß mein Auto, ein gelber Peugeot 504, blaue türkische Nummernschilder für Ausländer erhalten.

Bei der Einreise wurden in meinem Paß sowohl das Auto wie auch elektronische Geräte wie Computer, Foto- und Filmkamera eingetragen.

Ulrich konnte die Möglichkeit, drei Monate als Tourist in der Türkei zu bleiben, nutzen. Nach der Ausreise und einer erneuten Einreise würde er erneut drei Monate bleiben können.

Die Registrierung in Izmir gestaltet sich langatmig. Das ungeklärte Administrative macht uns Probleme.

Gestern abend um 23.30 Uhr wollte uns noch der Feldhüter von Bölcek besuchen. Er war bereits fast im Haus, bis mir einfiel schnell noch zu sagen, ich wäre am Wäschewaschen und wir wollten bald schlafen gehen. – Er tat sehr geheimnisvoll. Die Leute würden sich wundern, was wir hier wollten. – Unangenehm! Ich wimmelte ihn ab. – Vorgestern abend, als wir von Bergama in der Dunkelheit zurückfuhren, hatten wir ihn, der an der Landstrasse aufgeregt winkte und einen Soldaten dabei hatte, mit nach Bölcek genommen. Unterwegs hatte er über die Leute geschimpft: Alle seien falsch. Es sei  ein ganz schlimmes Dorf! – Er war sehr vertraulich, wollte uns gleich zu sich einladen. Und nun steht er prompt in unserer Tür.“ (Tagebuch vom 03. 12. 1987)“

„Der Bürgermeister unserer Mahalle in Bölcek spricht uns an. Die Kollegen von der Polizeistation im benachbarten Göҫbeyli möchten kommen, um uns zu befragen. Es läge eine Anfrage vom Innenministerium vor. Er  will morgen nachmittag ab 15.00 Uhr mit ihnen zusammen bei uns zuhause vorbei kommen. – Hoffentlich nichts Unangenehmes! Ich bin eh schon unruhig wegen der bisher nicht erfolgten Anmeldung in Izmir. Vielleicht erledigt sich alles Unerledigte morgen. ‑ Immerhin ist die Wäsche am Trocknen, nachdem ich sie gestern abend fertiggewaschen habe.“ (Tagebuch vom 04. 12. 1987)