Kontrolle

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„Ich habe mich gerade entschlossen, nicht mit zur Hochzeit zu gehen, sondern am Computer zu arbeiten, da ruft Ulrich, daß der Bürgermeister kommt. In seiner Begleitung sind drei Soldaten. Der eine ist der Kommandant aus Göҫbeyli, sehr jung noch, der eine Anfrage vom Innenministerium hat. Ob die soundso genannte Person, mit der folgenden Nummer des Visums auch hier wohnt, ob die Vermieterin Yegane  ihre Einwilligung gab etc. Bin erst ziemlich aufgeregt, bitte sie, ihre zugeschnürten Stiefel anzubehalten. Zwei Soldaten mit dickem Helm und Gewehr im Anschlag, an ihren Gürteln Handschellen, folgen ihm. Auf seinen Befehl setzen sie sich auf die Couch. Später wird der eine vor Langweile leicht schräg wegrutschen und sich genüsslich die Pickel ausdrücken. Jedes Mal wenn ich hinschaue und er sich dadurch ertappt fühlt, nimmt er Haltung an und verzieht auch auf mein Grinsen hin keine Miene. Reges Leben geht nur von seinen schwarzen Augen aus.

Der Bürgermeister langweilt sich noch mehr. Man hat das Gefühl, er will das versäumte Nickerchen hier in unserer Anwesenheit nachholen oder seinen Abstand gegenüber dem allen durch Gelassenheit demonstrieren. Leicht dösig sitzt er dabei. Als ich auch ihm anbiete, ihm meinen Untersuchungsplan vorzulesen, sagt der Kommandant, daß das nichts für ihn sei, sondern es eher für den vorherigen Bürgermeister interessant gewesen wäre.

Biete Kaffee und Plätzchen an… sie nehmen nur Plätzchen, wenn der Chef auch welche nimmt.“ (Tagebuch von Sonntag, 13. 12. 1987)