Konya und die Tanzenden Derwische

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Auf dem Weg durch die trockene anatolische Hochsteppe machen wir – wegen der Tanzenden Derwische, die in Bölcek unser Wohnzimmer zieren – einen Abstecher nach Konya. Das  berühmteste Bauwerk dort ist das Kloster des Mystikers Mevlana Celalettin Rumi, Mevlana Tekke, in dem auch sein Grabmal steht. Das Museum  ist eine der heiligsten Stätten des Islam in der Türkei.

Rumi, der Gründer des Ordens der Mevlevi, kam im 13. Jahrhundert nach Konya. Schon bald gewann der Mystizismus des Mevlana im  islamischen Geistesleben großen Einfluß. Mit seiner mystisch‑philantropischen Interpretation des Islam erreichte er Massenbekehrungen unter den noch zahlreichen Christen dort. – Rumi hinterließ sein mystisches Lehrgedicht, das „Mathnawi“, mit rund 26.000 Versen, rund 36.000 Verse lyrischer Poesie, eine Sammlung Prosaschriften, Predigten und Briefe. Die spätere islamische Mystik ist von  neuplatonischen Gedanken durchzogen, denn der Platonismus  hatte im Vorderen Orient Tradition.

600 Jahre war die Tekke in Konya  geistiges  und kulturelles Zentrum, bis 1925 Atatürk alle Orden verbot. Erst in den letzten Jahren dürfen die Derwische ihre  Zeremonien wieder öffentlich begehen. Vom 11. bis 17. Dezember wird jährlich an die Todestage des Meisters gedacht.

Beim Tanz haben die Derwische einen langen zylindrischen Filzhut auf dem Kopf, dazu tragen sie eine offene weiße Jacke mit langen  weiten Ärmeln und einen Rock, der sich beim Drehen wie ein  Kegel öffnet. Während des Tanzes halten sie die Arme weit ausgebreitet, dabei ist die rechte Hand Segen empfangend  nach oben gerichtet, die linke gibt ihn weiter nach unten; der  Kopf ist leicht zur Seite geneigt, die Augen sind oft  geschlossen. Mit genau vorgeschriebenen Schritten drehen sie  sich um ihre eigene Achse und gleichzeitig alle um einen  gemeinsamen Mittelpunkt. Ein Zeremonienmeister achtet darauf, daß die Regeln eingehalten werden. Der Scheich, das Oberhaupt der Derwische, schaut dabei von einem geheiligten Vlies, einem Schaffell, den Tanzenden zu. Diese strenge  Choreographie des kultischen Tanzes wird von Wissenschaftlern als die allegorische Darstellung des Kreislaufes des Werdens interpretiert, der auf die Philosophie der Neoplatoniker zurückgeht. Es könne aber auch die Bewegung der  Planeten darstellen, die den Urbeweger ‑ Gott ‑ umkreisen.