„Die Wohnung ist bereits mit der Aussteuer von Dilek eingerichtet, die schon vor einigen Tagen von einem Ort außerhalb Bölceks gebracht wurde. Ich sehe sie mir an: Ein Wohnzimmer mit dicken Polstermöbeln, ein Esszimmer, ein kleines Besuchszimmer, das Schlafzimmer, eine Küche, das Bad. Alle Möbel sind aus Holz, dunkel furniert und üppig verziert. Die Gardinen sind aus Samtstoff genäht, mit Trotteln daran. Da ist auch das Spitzenkörbchen aufbewahrt, in dem die Braut nach dem ersten Gespräch mit der Schwägerin ihrem Zukünftigen die ersten Geschenke schickt und deren Annahme einer Absprache gleichkommt. Dort ist auch die geschmückte Schachtel, die die Seite des Mannes der Seite des Mädchens daraufhin mit Süßigkeiten schickt.
Alles ist bereits arrangiert. Selbst die Kehrschaufel fehlt nicht. Viele junge Mädchen kommen, um sich die Ausstellung der Aussteuer anzusehen. So eine öffentliche Darbietung spornt an, bei der eigenen Aussteuer besonders schön zu handarbeiten und an nichts zu sparen. –
Alles ist hier so hergerichtet, daß das Brautpaar sofort darin wohnen könnte. Alles ist im Überfluss vorhanden: Kissen und Zudecken für nahezu 10‑12 Personen, circa 15 Kopftücher für ein gemeinsames Gebet unter Frauen, ein Set für Likör, ein Set für dies und für jenes. Wahrscheinlich wird alles nur sehr selten gebraucht werden und dient eher zur Präsentation des Wertes des Brautpaars.
Im Schrank hängen auch die Kleider, die der Braut von Seiten des Jungens geschenkt wurden: zur Verlobung, zu Beginn des Sommerhalbjahres nach dem bäuerlichen Kalender (hidrellez), zum Opferfest. Auf die Kreuzsticharbeiten wird besonders verwiesen, die Szenen aus Märchen zeigen. Auch gibt es ein Käppchen, das die Braut gehäkelt hat und das der Bräutigam nach der Eheschließung zum Beten aufsetzen wird. Ebenfalls ausgestellt ist ein Beutel, um den Koran aufzubewahren.“ (Tagebuch vom 01. 01. 1988)