„Einige Meter abseits der Straße von Bölcek Richtung Izmir sehen wir zur Rechten ein türkisfarben getünchtes Grabmal. Kein Hinweis sagt uns, wer hier bestattet ist. Die vielen ausgebleichten Stofffetzen, die an die Bäume und die Umzäunung geknüpft sind, lassen erkennen, daß es ein im Volk verehrter Heiliger sein muß. Aus der Literatur erfahren wir, daß diese Orte – oft verbunden mit einem großen Baum oder einer Höhle – häufig schon in vorislamischer, also christlicher Zeit, als heilig verehrt wurden.
Irdene Wasserkrüge stehen ums Grab herum. Sie sollen etwas von der Segenskraft des Heiligen aufnehmen. Wer mit diesem Wasser die rituelle Waschung vornimmt, wird auch von der größten Verunreinigung befreit.
Als wir den Ort verlassen wollen, fährt ein nagelneuer Mercedes mit Izmirer Kennzeichen vor. Ein noch junger Geschäftsmann springt heraus und steht dann andächtig vor dem Grab. Ob er wohl ein Gelübde leistet? Wenn sich sein Wunsch erfüllt, wird er am Grab ein Schaf opfern und es gemeinsam mit Verwandten und Freunden verzehren.“(Tagebuch 16.05.1988)