„Das Teekannenset der Marke, das sich in unserem Haushalt befindet, und das sicher in der gleichen Ausführung millionenfach auf dem Markt ist, hat nach außen hin eine durchaus normale Form, von daher nicht unästhetisch. Auf der unteren größeren Kanne, die zum Wassererhitzen gedacht ist, sitzt eine kleine Kanne auf, in der der Tee ziemlich stark aufgebrüht wird um dann nach Bedarf mit dem kochenden Wasser der unteren Kanne verdünnt zu werden. Und außerdem kann der Tee in der kleinen Kanne durch das kochende Wasser der größeren Kanne warmgehalten werden. Wer nun denkt ‑ so wie wir ‑ man könne auch die untere Kanne als ganz normalen Wasserkessel ‑ getrennt von dem oberen Teil verwenden ‑ bekommt Schwierigkeiten. Die Tülle ist genauso angebracht, daß sie ihre Schnauze fast auf gleicher Höhe mit dem Kesselrand hat. Kippt man nun die Kanne um Wasser auszugießen, vermag man nur in haarfeinen Portionen Wasser auszugießen, genau soviel wie die puppenstubenhaften türkischen Teegläschen es vertragen, ohne gleich im Wasserbad zu stehen. Der Wasserkesssel ist, will man ihn zum Aufbrühen eines deutschen Filterkaffees benutzen, ein sich immer wiederholendes Ärgernis. Es bedeutet einen Balanceakt zwischen dem Entschluß zu einem haarfeinen Rinnsal, daß das Aufbrühen zu einem längeren Akt werden läßt, oder einem beherzigten Schwups Wasser über den Kesselrand in den Filter zu befördern, ohne daß die Füße dabei überbrüht werden. Daß auch Wasserkessel in ihren Möglichkeiten der Anwendung kulturspezifisch geprägt sind, hätte ich als Ethnologe kaum für möglich gehalten. ‑ Während ich mich bisher täglich darüber geärgert habe, hat diese Kanne eine für ihre Funktion hin logische Konstruktion. Der heimliche Sinn der Dinge. Oder wird hier überinterpretiert.“