„Seit 1978 finden in Bergama keine Kamelkämpfe mehr statt. Aber heute! Wir kommen um 14.00 Uhr an. Die Karten haben wir schon vor Tagen gekauft. Das Fußballstadium ist randvoll besucht, auch durch Frauen. Das Feld ist so groß, daß man die Kämpfe nur aus der Ferne beobachten kann. – Der Entertainer kündigt die Kamele mit Namen und ihrer Herkunftsregion, wie z.B. Afyon, an. Der Kampf wird angeheizt durch eine Kapelle und dem Entertainer, der die Kamele direkt beim Namen mit missbilligenden oder lobenden Worte anheizt. Es gibt unter den Kamelen Leicht- und Schwergewichtler. Vor dem Kampf bekommen sie das Maul zugebunden, damit sie nicht beißen. Ein junges Kamel, daß diese Praxis noch nicht kennt, wird wild und spuckt Schaum aus. Zur Bändigung wird es am Zaun angebunden. Kamelkämpfe können also auch gefährlich sein.
Ein von einem dreibeinigen, hinkenden Hund begleitetes Kamel, gefolgt von einem geschmückten Eselchen, tritt auch auf.
Ein Kamel namens Mutlu (Glücklich) gibt sich kampfeslustig. Es versucht dem anderen Kamel das Bein wegzuziehen und es am Hals hinunterzudrücken. Das bedrängte Kamel versucht auszuweichen und dreht sich mit dem hinuntergedrückten Hals im Kreis. – Wenn zwei Kamele keine Lust mehr haben zu kämpfen, holt man ein zierliches, weibliches Kamel dazu und schon greift das von Eifersucht geplagte männliche Kamel an.
Am Ende des Kampfes verläuft sich die Menge. Die Kamele werden mit Glöckchen geschmückt und schreiten in Reih und Glied unter Gebimmele in die Stadt. Dort warten sie vor der Belediye auf ihr Entgelt.
Von der Stadt bekommt jeder Teilnehmer, egal ob Verlierer oder Gewinner, einen maschinengewebten Teppich und Geld für die Unkosten überreicht. In anderen Städten wird dies hierarchisch gehandhabt. Der Gewinner bekommt den besten Teppich und das meiste Geld. – Im Anschluss daran werden die Kamele auf ihre Lastwagen verladen. Was für ein schöner Tag.“ (Tagebuch 07. 02. 1988)