Der Kamelkampf

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„Seit 1978 fanden in Bergama keine Kamelkämpfe mehr statt. Aber heute wird es welche geben! Wir haben sonniges, mildes, mediterranes Wetter im Februar und kommen um 14.00 Uhr am Stadion an. Die Karten haben wir schon vor Tagen gekauft. Das Fußballstadium ist randvoll besetzt, unter den Zuschauern sind auch Frauen und Kinder. Das Feld ist so groß, daß man die Kämpfe nur mit Fernrohr beobachten kann. – Ein Entertainer kündigt von einer Tribüne die Kamele mit Namen und ihrer Herkunftsregion an. Der Kampf wird angeheizt durch die Musik einer Kapelle, durchbrochen durch laute Rufe des Entertainers, der die Kamele mit missbilligenden oder lobenden Worten versucht zum Kämpfen anzustacheln.

Unter den Kamelhengsten gibt es Leicht- und Schwergewichtler. Vor dem Kampf bekommen sie das Maul zugebunden, damit sie nicht beißen können. Ein junges Kamel, daß diese Praxis noch nicht kennt, wird wild und spuckt Schaum aus. Zur Bändigung wird es am Zaun angebunden. Kamelhengste und Kamelkämpfe können also auch gefährlich sein.

Ein Kamelhengst namens Mutlu (Glücklich) gibt sich durch die Aufrufe kampfeslustig. Er versucht dem Gegner das Bein wegzuziehen und es am Hals hinunterzudrücken. Das bedrängte Kamel versucht auszuweichen und dreht sich mit dem hinuntergedrückten Hals im Kreis.

Sobald zwei Kamelhengste keine Lust mehr zum Kampf haben, führt man eine zierliche Kamelstute nahe an den antriebslosen Kamelhengste vorbei und schon greifen die beiden von Eifersucht geplagten sich gegenseitig an. – Ein von einem dreibeinigen, hinkenden Hund begleitetes Kamel, gefolgt von einem geschmückten Eselchen, tritt auch auf.
Am Ende des Kampfes verläuft sich die Menge. Die Kamelhengste werden mit Glöckchen geschmückt und schreiten in Reih und Glied unter Gebimmele stolz in die Stadt Bergama. Dort warten sie vor der Belediye auf ihre Bezahlung.
Von der Stadt Bergama bekommt jeder Teilnehmer, egal ob Verlierer oder Gewinner, einen maschinengewebten Teppich und Geld für die Unkosten überreicht. In anderen Städten wird dies hierarchisch gehandhabt. Der Gewinner bekommt den besten Teppich und das meiste Geld. – Im Anschluss daran werden die Kamele auf Lastwagen verladen, um in ihre Heimatstädte zurück gefahren zu werden. – Was für ein schöner Tag.“ (Tagebuch 07. 02. 1988)