„Montag. Wie immer: Neun Uhr aufstehen; Kaffeewasser aufsetzen, Gardinen aufziehen, damit die Nachbarn merken, daß wir nicht zu lange schlafen. ‑ Haare waschen im Bad. Dafür Wasser in der Küche heiß machen. Im Bad in den Blechbehälter gießen und mit kaltem Wasser vermischen. Mit dem Plastiknapf das Wasser ausschöpfen. Haare später mit dem Föhn trocknen. – Inzwischen kocht das Kaffeewasser. Den Ofen wieder in Gang bringen. Dazu kleine Holzscheite hacken, wenn sie nicht schon am Vortrag vorbereitet worden sind. Asche in den Eimer schaufeln, dazu Papier feucht machen und darüberlegen, damit es nicht zu sehr staubt. Wenn der Ofen brennt, den Eimer mit der Asche in die Natur ausleeren, in den leeren Behälter Kohle von dem Haufen vor dem Haus hineinschaufeln, dabei die Tagestemperatur draußen erspüren. ‑ Frühstück mit den Resten aus dem Luxusladen aus Izmir (Dana bleu, Mortadella). Frische, abgekochte Milch: inzwischen haben wir uns an ihren Fettgehalt gewöhnt. Zunächst kam sie mir sehr süß und fast unerträglich fett vor. Der Kaffee: inzwischen aus Bergama ‑ etwas gröber geröstet als bei Türken üblich, nachdem der französische aus dem Elsaß entgültig verbraucht ist. Dann Zeitungslektüre etc. Um zwölf Uhr der Gang zur Post, dabei gleich Brot holen und einkaufen. Den Weg lege ich immer nach meiner inneren Stimmung fest: Entweder gleich offensiv durch den Männerbereich gehen, d.h. vorbei an allen Teehäusern, gleich in die Bäckerei und dann zur Post und dann schräg gegenüber einkaufen. Oder aber erst hinterherum: Männer vermeidend, von hinten direkt den Laden und die Post anpeilend und zum Abschluß offensiv durch die Teehäuser zurück. – Seҫkin, mit der ich zweimal zur Post ging, geht nicht einmal mit mir an der Bäckerei vorbei, sondern wartet verborgen hinter der Mauer bei dem Einkaufsladen. ‑ Auch mich zwingt inzwischen eine Art Schamgefühl, öfters hintenherum zu gehen, als direkt durch die Einkaufsstrasse.“ (Tagebuch vom 11. 01. 1988)