Brotbacken

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„Gülsen ruft mich zum Brotbacken. Ein Berg von Holzkohle glüht bereits vor dem Ofen. Mit einem Lappen wischt sie die Asche von den Steinen; sie müssen sauber sein, um die Brote darauf legen zu können. Es muß alles sehr rasch gehen.

Vor dem heißen Backofen kann sie kaum Luft holen, noch reden. Zehn fertig geformte Brotlaiber liegen in Tücher gehüllt auf dem Boden. Zusätzlich sind zwei Bleche mit süßen Teigstückchen vorbereitet. – Die Bleche werden schnell in die große Hitze hineingeschoben; ein Deckel vor dem Backofen bleibt angelehnt, damit die Hitze nicht entweicht. Nach kurzer Zeit hat das Brot schon eine knusprige Rinde. Sie nimmt den Deckel wieder weg, schaufelt einen Teil der Holzkohle in einen Eimer und löscht sie mit Wasser. Dann verbreitet sie den Rest der Holzkohle vor dem Backofen. Der Deckel wird wieder davor gestellt, bis das erste kleinere Brot und die Bleche mit den Süßigkeiten entnommen werden. Die restlichen Brote bleiben noch im offenen Backofen für circa eineinhalb Stunden. Dann werden sie in weiße Tücher gehüllt und zum Abkühlen auf Kilime im Garten ausgebreitet. Der Brotvorrat  reicht für  10‑15 Tage. Vom Teig trennt Gülsen etwas für sich und für Hasibe ab, woraus der nächste Brotteig angesetzt wird.

In ihrem Innenhof hat Gülsen mehrere Auberginen und scharfe kleine Parikaschoten aufbewahrt, woraus sie Samen gewinnt. Auch ein Vorrat an Zwiebeln und Honigmelonen hängen hier. Säcke voller Baumwolle stehen herum, die noch verkauft werden müssen. Gepfückt worden sind sie von Arbeitskräften (amele) aus den Gebirgsdörfern. Diese nomadischen Yürüken kommen ab und zu ins Dorf, um ihre Waren, wie z.B. Anmachholz, zu verkaufen.

Während Gülsen Brot bäckt, kocht Wasser in einem großen Zuber. Sie reinigt  mit einem Reisbesen und einem Wasserschlauch den Innenhof  und die Arbeitsgeräte. Gleichzeitig wäscht sie die Wäsche. Im Innenhof schaut ein Truthahn zu, der am Fußgelenk angebunden ist. Er soll an Neujahr geschlachtet werden. Während  sie arbeitet, sehen Seҫkin, eine weitere Nachbarin und deren Tochter zu. – Gülsen gibt mir ein halbes Brot für Ulrich und möchte, daß er kommt, um sich das Brotbacken anzusehen.“ (Tagebuch vom 02. 12. 1987)